Rheinverbunden

Urdenbacher Kämpe

Grünordnungsplan «rheinverbunden»

07.03.15 | Ende letzten Jahres hat das Gartenamt den Entwurf eines neuen Grünordnungsplans vorgelegt. Dem Impressum ist der Erstellungstermin «April 2014» zu entnehmen. Das Vorwort stammt aber schon vom neuen OB Thomas Geisel.

Generell ist festzustellen, dass das Kartenmaterial in der Veröffentlichung völlig unzureichend ist. Die Darstellung ist viel zu klein und in der Regel fehlt auch eine Legende, um die Karten korrekt interpretieren zu können.

Der OB hebt im Vorwort die Ziele «Ruhe und Erholung» sowie «Erleben von Natur» hervor.

Die Praxis sieht anders aus:

  • Erweiterung des Flughafens
  • Ausbau Reisholzer Hafen
  • mangelhafter Lärmschutz an Autobahnen und Bahntrassen trotz zunehmenden Verkehrs

Desweiteren schreibt er davon, die «Lebensqualität … zu erhalten und … zu verbessern».

Dem steht gegenüber:

  • zunehmende Versiegelung der Landschaft
  • Überschreitung der Luftschadstoffgrenzen etc.

Auf Seite 7 heißt es, dass die «städtebaulichen Entwicklungsabsichten» in den GOP eingeflossen sind. D.h. nicht der Ist-Zustand ist maßgeblich sondern die Beschlusslage bzw. sogar Sachen, die noch in irgendwelchen Schubladen schlummern. Dies widerspricht dem Anspruch des GOP, dass Planungsmaßnahmen sich nach dem GOP richten müssen – und nicht umgekehrt!

Auf Seite 8 wird auf die Bedeutung eines «Systems zusammenhängender Freiräume» (wozu auch eine taugliche ökologische Qualität dieser Freiräume gehört) hingewiesen. Dieses System ist essentiell zur Erhaltung der Artenvielfalt. Maßnahmen wie der Ausbau des Reisholzer Hafens oder die Rheinvertiefung sind da kontraproduktiv. Das ist sicher auch der Grund, warum die Landeshauptstadt Düsseldorf in ihrer Stellungnahme zum Regionalplan Düsseldorf den dort festgelegten «unzerschnittenen Landschaftsraum» der Rheinschleifen zwischen Monheim und Volmerswerth ablehnt.

Widersprüchlich finde ich es wenn es auf Seite 24 heißt «Wersten und Holthausn sind nicht ausreichend mit Kleingärten versorgt», gleichzeitig aber die Kleingärten am Karweg aufgegeben werden sollen, obwohl dort auch noch Erweiterungspotential besteht.

Neue Kleingärten im potentiellen Retentionsraum Himmelgeister Rheinbogen anzusiedeln, ist eher ein zweifelhaftes Vorhaben.

Auf Seite 32 wird unter der Überschrift «Der Rhein als Biotopverbundachse» sehr eindringlich die ökologische Wertigkeit des Rheins dargelegt. Konsequenter Weise dürfte dann die Ausweitung des Reisholzer Hafen nicht betrieben werden. Zumal auch das unmittelbar anschließende Frischlufteinzugsgebiet (Seite 38) als regional bedeutender Ausgleichsraum in Mitleidenschaft gezogen würde. Die geplante Ausdehnung eines Gartenbaubetriebes mit Gewächshäusern in die Frischluftschneise hinein ist auch problematisch. Leider darf man sich heutzutage die Bezeichnung «landwirtschaftliche Fläche» nicht mehr grundsätzlich als Grünfläche vorstellen. Gewächshäuser und Folien stellen auch eine Versiegelung dar.

Auf Seite 41 wird die «Entzerrung der verschiedenen Nutzergruppen» angestrebt. Genau das Gegenteil ist grade in Himmelgeist passiert durch die Sperrung der Wanderwege längs des Rheins. Jetzt müssen auch die Wanderer die asphaltieren Landwirtschaftswege benutzen, die für Radfahrer ideal sind, aber von Wanderern gehasst werden..

Auf Seite 43 heißt es «Das prognostizierte Bevölkerungswachstum erfordert die Schaffung einer hohen Anzahl neuer Arbeitsplätze.» Eine für mich nicht nachvollziehbare Schlussfolgerung. Das «Bevölkerungswachstum» entsteht nicht in erster Linie durch zuziehende Arbeitslose sondern durch Einpendler, die es leid sind im Stau zu stehen, durch wachsende Studentenzahlen und durch Senioren, die die städtische Infrastruktur benötigen.

Bemerkenswert ist die Feststellung, dass «die Beschäftigtenzahl im produzierenden Gewerbe» zurückgehen wird, was die Argumentation für den Reizholzer Hafen ad absurdum führt.

Auf Seite 53 heißt es «Die hinzugewonnene Bevölkerung braucht Erholungsraum und ein attraktives Wohnumfeld …». Grade im Umfeld der Neubaugebiete im Bereich Himmelgeist/Itter wird durch den Ausbau des Reisholzer Hafens sowohl Erholungsraum eingeschränkt, als auch durch hohe Verkehrsbelastung die Attraktivität beeinträchtigt.

Auf Seite 57 werden unter der Überschrift «Friedhof Itter» Teile der für den Friedhof vorgesehenen Flächen für Wohnbebauung ausgewiesen mit direkter Zufahrt von der Münchener Straße aus. Dies würde wieder einen Grünzug/Frischluftschneise reduzieren. Eine direkte Zufahrt von der Münchener Straße würde zudem den geplanten Radschnellweg erheblich beeinträchtigen.

Auf Seite 66 wird darauf hingewiesen, dass Öko-Landbau auch als Kompensation eingesetzt werden kann. Öko-Landbau sollte mit allen planerischen Mittel gefördert werden. Insbesondere im Umfeld von Naturschutzgebieten sollte Öko-Landbau zwingend vorgeschrieben sein. Das gilt für die Urdenbacher Kämpe wie für den Himmelgeister Rheinbogen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die konventionelle Landwirtschaft verheerende Folgen für die benachbarten NSG hat. (Vortrag der Biologischen Station Haus Bürgel am 4.11.14 im Naturkundemuseum Benrath. Zuständige Politiker wurden unter den Zuhörern leider nicht gesichtet. Einerseits tragen Wind und Wasser die Schadstoffe in das Gebiet, andererseits sind die Flugradien der Vögel und Insekten so groß, dass sie außerhalb des Schutzgebiets mit den Giften in Berührung kommen.)

Insbesondere bei der Verpachtung von Ackerflächen, die in städtischem Besitz sind, sollten entsprechende Auflagen gemacht werden.

Seite 73: «Der Rhein und seine Auen … ist über Wander- und Radwegeverbindungen gut erschlossen.» Die Erschließung durch Wanderwege ist äußerst mangelhaft. Die Qualität von Wanderwegen misst sich an ihrer Oberfläche. Asphaltierte oder plattierte Wege sind dem Wanderer zuwider. Dies ist aber der überwiegende Teil der vorhandenen Wege. Im Himmelgeister Rheinbogen wurden grade die letzten noch unbefestigten Wege für Wanderer gesperrt.

Auf den Seiten 140 und 141 «7.3 Schutzgebiete und Biotopverbund» werden wichtige Grundsätze dargestellt. Es wäre zu wünschen, dass diese bei Planung und Durchführung auch beachtet würden.

Michael Holstein
erschienen im «grünstift!»,
dem Düsseldorfer Umweltmagazin
Mai-August 2015/ Heft 84
Foto: I.Lang