…schon die Römer bauten erst die Straßen…

Schon die Römer bauten erst die Straßen und dann die Häuser.

Dies war die Aussage eines verärgerten Bezirksvertreter in der BV9 im Düsseldorfer Süden. Warum: Im Pauslmühlenviertel  – einem Stadtviertel Benraths eingegrenzt zwischen Bahndamm und Autobahn – wird gebaut, gebaut, gebaut ohne eine Planung des zukünftigen Verkehrs, Einkaufsbedürfnisse, von Schul- und Sportplätzen.

Vor einigen Jahren gab es Bürgeranhörungen für das „Mühlenviertel“ – ein Wohnviertel hinter den ersten Häusern an der Hildener Straße (Nord). Das Viertel ist nun endlich in Bau; sechs riesige Baukräne sind in Bewegung und es wachsen die ersten Mauern. Hier sollen fast 400 Wohnungen gebaut werden, auch öffentlich geförderte Wohnungen.

Nördlich davon wurde in kurzer Zeit das Albert-Dürer-Kolleg gebaut, das nach den Sommerferien seinen Betrieb mit tausend Lehrern und Schülern aufnimmt, und dazwischen ist eine weitere Brachfläche, die nach einstimmigem Beschluss der BV9 zum Bauland erklärt wird. Da sollen nun nach neuester Bekanntgabe weitere ca. 570 Wohnungen gebaut werden. Und das bringt die Bevölkerung nun mächtig in Rage.

Erst sprach man nur von 320 zusätzlichen Wohnungen – nun sollen es 570 werden.
Da stellen sich eine Menge Fragen:

  • ca. 1.000 Wohnungen mit schätzungsweise mindestens 2.000 Menschen; wie sollen die leben eingebunden zwischen Eisenbahnlinie und Autobahn A59?
  • wo sind die Möglichkeiten in das Viertel rein und wieder raus zu kommen? mit Auto ein Problem und zu Fuss auch;
  • auf der Hildener Südseite ehem. Outokumpo (davor Nirosta) sollen ebenfalls noch ca. 900 Wohnungen gebaut werden;
  • der Verkehr im Düsseldorfer Süden hat durch die Ansiedlung von Logistikern, DHL, Speditionsfirmen u.a.m. enorm zugenommen;
  • die Stadtverwaltung hat erst vor kurzem versprochen, ein Verkehrsgutachten auszuarbeiten (bis dato haben sie mit Zahlen von 2008 operiert!!!)
  • die U-Bahnlinien sollen ausgebaut werden
  • der RRX kommt irgendwann
  • auf dem Gewerbegebiet in Holthausen zwischen Wasserwerk, BASF und dem Stadtteil Itter liegt Scheren (Lagerung von Giftstoffen), das Arbeitsamt, die Rheinhöfe u.a.m. und nun werden von einem Logistikmakler noch zwei riesige Hallen für Logistikunternehmen gebaut (siehe Beitrag von Volker Götz).

Es droht ein Verkehrskollaps.
Die  bisherigen Beschaulichkeit des Paulmühlenviertels – einem ehemaligen Arbeiterviertel – und die Erholungsqualität des Düsseldorfer Südens mit Benrather Schlosspark, Kamper Acker und Rheinufer zwischen Monheim und Himmelgeister Rheinbogen gehen verloren. Die Münchener- und Frankfurter Straße als Entlastung für die alte Nord-Südachse Kölner Landstraße – Bonner Straße gebaut, haben auch schon tägliche Verkehrsstaus.

Am vergangenen Sonntag machten die Paulsmühler*innen Rabatz. Sie zogen mit über 400 Menschen aus dem Paulsmühlenviertel vor’s Benrather Rathaus.
Was die Bevölkerung und auch die Bezirksvertreter*innen erzürnt, ist die Gier nach Profit im Wohnungsbau ohne Rücksicht auf Lebensqualität und die gleichzeitige Ignoranz der Verwaltung.

Text und Foto: I. Lang