Kategorie-Archiv: Antifaschismus

Was dem Willkommen folgt

Veranstaltung
zu Flüchtlingsfragen

Köln 14. Januar 2016. Drei Monate nach unserer ersten Veranstaltung zu diesem Thema und vierzehn Tage nach den Ausschreitungen zu Silvester sind es noch einmal deutlich mehr Menschen, die sich für die Lage der Flüchtlinge in Köln interessieren. Der Saal ist voll. Auffällig viel Jugend unter den 80 TeilnehmerInnen.

Wolfgang Reinicke-Abel (DKP) freut sich darüber, begrüßt die Gäste und leitet die Versammlung. Eingeladen haben: Pro Asyl, AWO Verband Mittelrhein, Sozialistische Selbsthilfe Mülheim, DFGVK, SDAJ, DKP, DIDF, Integrationsagenturen NRW, Schulplätze für alle, Kinderhilfe Mesopotamien, Die Linke Köln, TÜDAY.
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Silvester in Köln und die Folgen

Köln gegen Rassismus

Nein zu rassistischer Hetze!
Nein zu sexueller Gewalt!

«Polizei zieht Bilanz: Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich», so heißt es in der ersten Pressemitteilung über die Silvesternacht. Sie habe hauptsächlich wegen Körperverletzung (80 Einsätze), Ruhestörung (76) und Sachbeschädigung (20) einschreiten müssen, teilt die Kölner Polizei zunächst mit – Zahlen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Aber die Kölnische Rundschau vermerkt online schon am 1. Januar «drastische Ausnahmen». Allmählich wird bekannt, dass es zahlreiche sexuelle Übergriffe und zwei vollendete Vergewaltigungen in und um den Kölner Hauptbahnhof gegeben hat. Wegen der großen Menge konnten in der Tatnacht gar nicht alle Anzeigen durch die beiden Beamten aufgenommen werden. Als Täter kommen für die Polizei nordafrikanische junge Männer in Frage, eine Tätergruppe, die sie als Taschendiebe mit Antanz-Masche zu kennen glaubt. Bald aber ist von 1000 Nordafrikanern oder Arabern die Rede.

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Da waren es nur noch 18!

Ein kläglicher Haufen von DÜGIDA-Leuten.NO-
DÜGIDA
vom 23.10.2015

Diesmal traf sich die DÜGIDA auf dem Worringer Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Es waren lächerliche 18 DÜGIDAs, die mit ihrem Auto einen grossen Umweg um Anti-Dügida und Polizeisperre fahren mussten, um sich überhaupt zu finden. Sie waren von der Polizei so gut geschützt, dass man sie kaum ausfindig machen konnte.Ein penibler Einsatzleiter aus Köln (Auslandseinsatz) wollte vom Anmelder der Antidügida, dass er die Lautsprecherboxen um 5 cm!!! Drehen soll, damit es mit der Anmeldung übereinstimmt.Nach Abgang der DÜGIDA, beschützt durch die Polizei bis zur Bahnsteigkante, durften auch die Anti-Dügida-Leute wieder das Bahnhofgebäude betreten.

Text und Fotos: I.Lang


Weitere Fotos: B.Bellwinckel & I.Lang


Die rechtsextreme Melanie Dittmer.Nachtrag zur Person: Melanie Dittmer, Ende 30, mit einer strammen Neonazi-Vergangenheit, eine der wenigen Frauen, die in der rechten Szene was zu sagen haben, mal Mitglied im Landesvorstand der «Jungen Nationaldemokraten», redaktionelle Mitarbeit bei den Neonazi-Postillen «Ruhrstürmer» und «Schwarze Fahne», tritt auch heute manchmal als Pressevertreterin auf, darf in Düsseldorf wegen ihren rechten Sprüchen weder eine DÜGIDA-Demo anmelden noch öffentlich reden.

Weitere Infos: Spiegel Artikel vom 21.12.2014 und LOTTA #57 vom 01.11.2014



Wir stellen uns quer!

No -Dügida 16.10.2015

Es ist gut solange die Anzahl der Gegendemonstranten höher ist – es waren diesmal 350-400, als das Neonazipack, aber das reichte diesmal nicht. Das Pack reiste wieder quer aus NRW an und machte gerade mal zusammen schlappe 72 (lt. Polizeiangaben), tatsächlich waren es eher 25-40.

Es lag nicht am Wetter – es goss in Strömen -, sondern daran, dass die sogenannte bürgerliche Mitte um den »Düsseldorfer Apell« fehlte. Deshalb waren diesmal spürbar weniger Gegendemonstranten unterwegs und die Polizei hatte leichteres Spiel, den Nazis die Straße frei zu knüppeln und die Gegendemonstranten in dunklen Ecken einzukesseln und ihr Mütchen für vergangene Frustrationen spüren zu lassen.

Dieser kümmerliche Haufen Neonazis war klarer Sieger des Abends. Niemals zuvor hatten sie die angemeldete Gesamtstrecke ablatschen können und sie genossen sichtlich diesen Erfolg. Wenn der 12. Mann der Fußballmannschaft das Publikum ist, dann war der 12. Mann des »Dügida«–Packs, weil es kein anderes Publikum da war, die Polizei.

Text und Foto: B.Bellwinckel



 

Dügida kam nur 200 Meter weit

Demonstrant mit hoch erhobenem Schild: »In Düsseldorf ist kein Platz für Rassismus«.Dügida meldet weitere Demos an

Dügida (»Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes«) ist wieder zurück. Nachdem Ende 2014/ Anfang 2015 die Düsseldorfer jeden Montag den Rechtsaussen von Dügida die Stirn geboten hatten, fängt der Spuk wieder an: jetzt am Freitag und die Demonstration wurde von Ariane Meise von der NPD angemeldet.

Aber sie kamen nicht weit: die etwa 100 Dügida Anhänger kamen gerade mal 200 Meter auf ihrer Demoroute voran, dann wurden sie von, laut Polizeiangaben, 1200 Menschen unter dem Motto »In Düsseldorf ist kein Platz für Rassismus« gestoppt.

Die Anhänger verschiedener Bündnisse gegen Rechts blockierten in unterschiedlicher Weise: vor dem DGB Haus war eine Kundgebung und von dort fuhr eine grosse Anzahl Fahrradfahrer zur Kundgebung vor der einstigen Synagoge in der Kasernenstrasse mit dem OB Geisel, eine Sitzblockade der Antifa-Leute verhinderte den Start der Dügida am Hauptbahnhof und hinter dem Stresemannplatz war die Graf-Adolf-Strasse dicht.

Somit gab Dügida entnervt auf und kehrte zum Bahnhof zurück. Am Freitag, dem 2. Oktober sehen wir uns wieder.

Text und Foto: I.Lang


Fotos: I.Lang + B.Bellwinckel

Düsseldorf stellt sich quer

Demonstranten vor S-Bahnhof Düsseldorf-Garath mit Fahnen und Transparenten: »Flüchtlinge willkomen! Rassisten raus! DKP«, »Nie wieder Faschismus! Die Linke«.
In Düsseldorf solidarisch an der Seite der Flüchtlinge und Asylbewerber.

Asyl-Gegner in Düsseldorf-Garath abgemeldet

Während erneut Hunderte von Flüchtlingen im Mittelmeer ertrinken, fordern die Düsseldorfer »Republikaner« nach dem Motto »Die Schiffsluken dicht!«, keine weiteren Asylbewerber in den Stadtteil Garath aufzunehmen. Das Bündnis »Düsseldorf stellt sich quer« hat sich erfolgreich dieser inhumanen Abschottungspolitik entgegengestellt. Solidarisch beteiligte sich auch die DKP Düsseldorf an dem Protest gegen den Auflauf der »Republikaner«.

Auch die Interventionistische Linke kritisierte den Versuch der »Reps«, »die Anwohner*innen gegen die Flüchtlinge aufzuhetzen.« Sie forderte schon im Vorfeld, Protest und Widerstand auf die Straße zu tragen. Das Motto: »Nazis vertreiben – Flüchtlinge bleiben!«

Sozialdemagogisch hatten »Reps« die Aufnahme von Flüchtlingen trotz unzureichender Unterbringung ausgenutzt, um eine Überflutung mit Flüchtlingen zu prognostizieren und Sozialneid bei den Anliegern heraufzubeschwören. Vor Schuljahresbeginn waren von der Düsseldorfer Stadtverwaltung noch mehrere Turnhallen als Massenquartiere requiriert worden. Vielerorts sollen Container aufgestellt werden.

Rechtsanwalt Volker Götz, ein »Ureinwohner« von Garath skizzierte die rund 50 Jahre alte Geschichte der »Trabantenstadt« als Schmelztiegel mit vielen integrierten Flüchtlingen: ehemalige Bewohner der DDR, Kontingentflüchtlinge aus der UdSSR, Übersiedler aus Polen und Rumänien als »Blutsdeutsche« nach dem Ius sanguinis, Flüchtlinge aus dem Pinochet-Regime in Chile, türkische Arbeitsimmigranten (»Gastarbeiter«) – und jetzt Flüchtlinge aus Nordafrika, aus dem vorderen Orient und dem ehemaligen Jugoslawien.

Götz betonte, dass diese Zuzüge immer willkommen geheißen wurden – aber nicht von jedem. Kanzler Helmut Kohl (CDU) propagierte, dass das »Boot« voll sei. Unterstützt wurde er massiv von der Springerpresse (BILD, Welt am Sonntag). Die politischen Vorgaben wurden von den jeweils aktuellen Bundesregierungen verlängert und von den rechtspopulistischen Parteien, Organisationen und Initiativen auf die Straße getragen und als brennende Fackeln in Heime für Asylbewerber geschleudert. Genau diese Marodeure wolle man in Garath nicht.

Auch Sigrid Wolf, Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes Düsseldorf, und Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke begrüßten das Engagement von »Düsseldorf stellt sich quer«, in dem viele Parteien und Organisationen, darunter die DKP, seit Monaten aktiv Fremdenfeindlichkeit und Rassismus die Stirn bieten.

Text: Uwe Koopmann
Foto: Bettina Ohnesorge


Fotos:Gisela Blomberg


Rock gegen Rechts war super!

Ein Hauch
von Woodstock

Zuhörerinnen und Zuhörer auf der Wiese, im Hintergrund Bühne mit Rauch- und Lichteffekten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rings um die Ballonwiese im Volksgarten in Düsseldorf gruppierten sich die Stände und Zelte und eine grosse Bühne für das Konzert «Rock gegen Rechts». Die Besucher liessen sich mit Kind und Kegel auf dem Gras nieder und genossen das Konzert der Bands Conyo spontan von KopfEcho verstärkt, Kaput Krauts, 100Blumen und The Porters. Zu Beginn konnte man sich noch unterhalten, aber dann wurde es lauter und die älteren BesucherInnen verdrückten sich langsam.

Die VVN-BDA zeigte in einem Zelt der Falken die Ausstellung «Neofaschismus in Deutschland», die auch im Rathaus nochmals gezeigt werden wird.

Diesmal spielte auch das Wetter mit: es war ein warmer Sommertag und es verbreitete sich so eine Stimmung à la Woodstock.

Es war einfach super!

Text und Foto: I.Lang


Fotos zu Rock gegen rechts

Mord in Düsseldorf – Mahnung für die Zukunft

 

Stele mit Porträt und Biografie.

Eine neue Stele erinnert an den Kommunisten Hilarius Gilges

Vor 82 Jahren, am 20. Juni 1933, wurde Hilarius (»Lari«) Gilges am Ufer des Rheins von Nazis brutal ermordet. SA- und SS-Angehörige verschleppten ihn aus seiner Wohnung in der Ritterstraße 36, folterten ihn bestialisch und töteten ihn dann mit mehreren Schüssen. – Am letzten Sonntag, 21. Juni 2015, wurde in einer feierlichen Zeremonie an der Rheinuferpromenade eine Gedenkstele enthüllt, die an das erste Opfer der NS-Zeit in Düsseldorf erinnert.

Mehrfach wurde in der Vergangenheit versucht, Hilarius Gilges dem kollektiven Vergessen zu entreißen. Angesichts der andauernden Kommunistenhatz ein kompliziertes Unterfangen, denn »Lari« war Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVD), der KPD und der bekannten KPD-Agitprop-Gruppe »Nordwest ran« von Wolfgang Langhoff. Ehrerbietung für einen Kommunisten war in Düsseldorf über 30 Jahre nicht angesagt.

Erst 1988 wurde ganz in der Nähe des Tatortes ein Halbrelief mit kurzen Daten angebracht. Diese Arbeit der Künstlerin Hannelore Köhler ist über die Jahrzehnte stark verwittert und kaum noch auszumachen. Direkt vor der Düsseldorfer Kunstakademie wurde am 23. Dezember 2003 ein Platz nach ihm benannt – mit einem Straßenschild mit minimalistischen Angaben zu seiner Vita. Der Versuch der DKP, die Kunstakademie postalisch dem Hilarius-Gilges-Platz zuzuordnen, wurde zweimal von der Präsidentin der Akademie ohne Begründung abgelehnt. Die Chance, auch den in der NS-Zeit verfolgten Künstlern damit eine »Heimatadresse« zu geben, wurde vertan.

Ganz anders nun der neue Anlauf: In Kooperation der Stadtbezirksvertretung, des Arbeitskreises Gedenkorte im Stadtbezirk 1 und der Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Düsseldorf wurde für die Stele ein Text erstellt, der dem neuesten Forschungsstand entspricht. Er skizziert »Laris« Leben, sein antifaschistisches Engagement.

Stadtbezirksbürgermeisterin Marina Spillner begrüßte die zahlreichen Teilnehmer. Oberbürgermeister Thomas Geisel leitete aus dem historischen Geschehen mit Nachdruck die Verpflichtung zu antifaschistischem Engagement gerade auch in der Gegenwart ab. Es sei sicherlich auch im Geiste von »Lari« gelungen, den braunen Spuk der Montagsdemonstrationen von »Dügida« zu beenden. Diese Verpflichtung bestehe weiterhin.

Annette Klinke, Vorsitzende des Arbeitskreises, entwarf für die Zuhörer ein facettenreiches Bild von »Lari«, der nicht nur politisch, sondern auch rassistisch drangsaliert wurde, weil sein leiblicher Vater afrikanischer Herkunft war.

Der Tatort des Mordes wird bei antifaschistischen Stadtrundgängen häufig aufgesucht. In den Gesprächen geht es dann nicht nur um eine Rückschau auf die NS-Verbrechen, sondern auch um den Umgang damit in der Nachkriegszeit bis hinein in die aktuellen juristischen Auseinandersetzungen. Am Rheinufer erfahren die Teilnehmer zu »Laris« Mördern nun auch: »Die Täter wurden nie belangt – auch nicht nach 1945.«

Text: Uwe Koopmann
Foto: Bettina Ohnesorg


Fotogalerie: I.Lang & BB

Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte

Ausstellungsraum mit Besuchern.

Die Mahn- und Gedenkstätte
in Düsseldorf

Seit 16. Mai 2015 ist die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf in der Mühlenstrasse für das Publikum wieder zugänglich.

«Die Gedenkstätte befindet sich in historischen Räumen, denn diese dienten in der NS-Zeit als Büros, Vernehmungsräume und Haftzellen der Polizei. 1926 bis Anfang 1934 hatte hier das Polizeipräsidium seinen Sitz, dem zwischen April 1933 und März 1934 auch die neu entstandene Staatspolizeileitstelle Düsseldorf (Gestapo) untergeordnet war. Später bezog das Wehrbezirkskommando das Haus, ferner waren städtische Behörden untergebracht, die an der Verfolgung und Ausgrenzung von Juden, Sinti und Homosexuellen beteiligt waren oder für den ‹Arbeitseinsatz› der rund 40.000 Zwangsarbeiter auf Düsseldorfer Stadtgebiet (Arbeitsamt) verantwortlich zeichneten. Auch war die 20. SS-Standarte Mieterin im Stadthaus. Im Krieg wurden die authentisch erhaltenen Kellerräume als öffentliche Luftschutzräume genutzt, die noch heute zu besichtigen sind.» (Quelle: Wikipedia)

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